Mi último viaje – Barcelona, Marrueco y Gibraltar

Anfang März bin ich endlich zu meiner großen Reise aufgebrochen und habe mich früh morgens in Barcelona am Flughafen mit L. getroffen. Endlich loszufliegen war einerseits schön, andererseits wusste ich auch, dass das jetzt meine letzte Reise wird bevor ich Granada wieder verlassen muss.
Aber erstmal stand ich in Barcelona am Flughafen, habe festgestellt, dass catalán doch eine ganz andere Sprache als spanisch ist und dass es in Barcelona nicht so warm ist, wie in Andalusien. Bei einer Couchsurferin konnten Matze und ich die ersten 2 Nächte schlafen, so waren wir erst mal nicht in Barcelona-Stadt, aber nahe auf dem Dorf El Masnou, was sehr schön am Meer liegt. So dass wir das erste Frühstück wunderbar, wenn auch ein bisschen stürmisch, am Meer einnehmen konnten.

frühstück el masnou

Sonst waren wir viel in Barcelona unterwegs, haben uns diverse Sehenswürdigkeiten angeschaut und uns später mit einer alten Freundin getroffen und zusammen noch 3 Nächte in einem Hostel gewohnt. Weil ich nicht den ganzen Blog allein mit Barcelona-Bildern füllen will, habe ich nur einiges ausgesucht. Wirklich beeindruckend fand ich „La Sagrada Familia“ (die heilige Familie), eine oder eigentlich die moderne römisch-katholische Basilika vom katalonischen Architekten Antoni Gaudí.

sagrada aussen

Und weil wir einmal soweit dort hingelaufen waren, haben wir uns auch in die riesige Menschenschlange angestellt, um eine Eintrittskarte zu kaufen. Einerseits habe ich noch nie ein Kirche betreten, die touristisch so überlaufen war, dass man gar nicht den Eindruck hatte, in einer Kirche zu sein, andererseits wird an der Sagrada Familia schon seit über 100 Jahren gebaut und die Kirche ist sowohl innen als auch außen noch lange nicht fertig. Beeindruckende Formen und Farben gibt es aber jetzt schon, Gaudí hat in seiner Architektur mehrfach die Formen der Natur nachempfunden und auch die Farben der Bleiglasfenster so gewählt, dass egal zu welcher Tageszeit und mit welcher Beleuchtung Harmonie im inneren der Kirche entsteht.

sagrada innen

Mit bedeutender Architektur und moderner Kunst kann Barcelona sowieso aufwarten, aber wie jede richtige Großstadt gibt es natürlich auch eine Metro. Mit der sind wir dann auch immer gefahren, um nicht stundenlang zu Fuß die Stadt zu erkunden.

metro laura

Von Gaudí wurde auch ein riesiger Park entwurfen, um dorthin zu gelangen muss man entweder sehr lange den steilen Berg hochlaufen oder man fährt einfach mit dieser fantastischen Rolltreppe den Berg hoch… :-)

rolltreppe berg

Gemeinsam mit anderen Tourist_innen, die sich im Park getummelt haben, wie in der Sagrada Familia (die pro Jahr allein 4 Mio Menschen besuchen!!!), konnten wir den Park erkunden, haben andere Besucher_innen fotografiert oder uns fotografieren lassen.

Einmal sind wir auch zur Uni gefahren, in der gerade ein öffentliches Plenum der 15M- Bewegten unter den Studierenden stattgefunden hat. Am 27.02. hatte es wohl einen großen Unistreik gegeben und das gesamte Unigebäude war noch voller Plakate und Transparente. Die Studierenden engagieren sich ähnlich wie die Studierendenbewegung in Granada, gegen die Kürzungen in der öffentlichen Verwaltung, dem Einfluss der Bruderschaft Opus Diei an den Universitäten, dem Einfluss der Kirche und des Militärs und den Einsparungen im Bildungssektor, besonders durch die neu gewählte konservative Regierung.

protest

Vor lauter touristischer Erschöpfung haben wir in Barcelona auch nur eine Party besucht, dafür hat aber ein Resident aus dem Berghain Berlin (Ben Klock, hört hört!) aufgelegt. Da die Gesetze in Barcelona noch strenger zu sein scheinen, als in Granada, mussten wir dann alle 06.30Uhr aus dem Club. Um wenigstens noch den Sonnenaufgang zu sehen, sind wir dann an den Strand gelaufen und haben da noch eine Weile gechillt, schön im Sonnenschein am Meer und mit Musik aus den mp3-Playern.

Mit dem Flugzeug ging es dann weiter nach Marrakesh, auf den afrikanischen Kontinent. Marokko hat uns als Pass-Deutsche auch anstandslos einreisen lassen und nach kurzer Zeit hatten wir es bis in die Innenstadt geschafft. Da aus dem Bus gestiegen haben uns den ganzen Weg bis in unser schon im Vorfeld reserviertes Hotel überall Menschen bestürmt, ob wir nicht in ihr Taxi steigen, in ihr Hotel einchecken, ihre Andenken kaufen wollen… Wahnsinn! Im Riad (dem Hotel, von der Architektur her wie ein „Carmen“ in Granada, also ein Haus mit einem offenen Innenhof von dem die Zimmer abgehen) angekommen, gleich der nächste Schock: die wussten nichts von unserer Reservierung, aber es war ein anderes Zimmer frei und in das konnten wir dann erst mal ziehen. Hier ein Foto vom schönen Riad:

riad marra

In unseren 2 Tagen Marrakesh haben wir schon versucht, viel von der Stadt zu sehen und zu erkunden, aber im Endeffekt haben wir die Medina (Altstadt) nie so richtig verlassen und da war jeden Tag von früh bis spät einfach nur Markttreiben. Ständig wird man gefragt, ob man nicht etwas kaufen möchte…

markt marra

Da wir beide kein Französisch sprechen, war es auch fast unmöglich sonst mal mit den Bewohner_innen zu kommunizieren. Aber wir waren bei der Moschee in derem alten Gelände es gerade eine Kunstausstellung gab, oberirdisch und unterirdisch, wohl von einem deutschen Künstler, wenn wir das arabisch der Ausstellungsbetreuer richtig verstanden haben.

moschee marra

Im Endeffekt habe ich mich aber sehr gefreut, nach Essaouira, einer kleineren Stadt am Meer, weiter zu fahren. Selbst Dinge die ich in Marokko kaufen wollte, habe ich in Marrakesh nicht gekauft, weil man nur zu den richtig überteuerten Preisen kaufen konnte und es auch nicht die Möglichkeit gab, runter zu handeln, wie man das von einem Markt schon erwarten kann, meine ich. In Essaouira war es auch gleich viel entspannter und wir haben endlich in einem Hostel gewohnt, dem Surf & Chill Hostel, das übrigens sehr empfehlenswert ist. Die Leute sind super nett, der Manager ein junger Typ der richtig gut englisch (und viele andere Sprachen spricht), so dass ich ihn alles fragen konnte, was ich über Marokko wissen wollte. Zum Beispiel, warum eigentlich in jedem Geschäft ein Bild vom König hängt…

kööönig

Na weil es da ein Gesetz gibt, dass das vorschreibt. Vielleicht auch teilweise, weil viele Menschen den noch jungen König unterstützen, weil er viel für die Wirtschaft tut, aber im Hostel interessiere man sich nicht für den König und unterstütze ihn auch nicht. Heutzutage ist er wohl auch „nur noch“ Oberbefehlshaber vom Militär. Ob das bedeutet, dass das Parlament so viel Macht, wie in einer Demokratie hat, konnte mir der Manager nicht so richtig beantworten, weil er selbst nie wählen geht. Scheint sich einfach nicht zu lohnen.

Na jedenfalls hat Essaouira einen schönen großen Hafen, mit richtig vielen Katzen, die bei den Fischerschiffen auf ein Stückchen Fisch lauern.

hafen essaouira

Einen langen Strand gibt es auch, der war auch ziemlich sauber, nur waren die Wellen so stark, dass ich es nicht geschafft habe, richtig schwimmen zu gehen. Warm genug wäre es gewesen. Dafür war L. surfen, was ich mir nicht zugetraut habe, weshalb ich es sinnlos fand, für 20€ eine Surfausrüstung auszuleihen. Aber ich hab tolle Fotos gemacht und mich gesonnt.

surfmatze

Eines Tages haben wir uns ein bisschen verlaufen, weil wir was Neues von der Stadt sehen wollten und sind vorbei an einer Gruppe Dealer und anderer merkwürdiger Gestalten in einem wirklich düsteren Teil der Medina gelangt. Dort waren an der Altstadtmauer 2 Zelte aufgebaut, in französisch und arabisch gab es Erklärungen, was da passiert, es sah aus wie eine Occupy-Bewegung in Essaouira, aber nichts genaues weiß man nicht… Sprachbarriere! Dafür sind wir auf einmal über die Synagoge der Stadt gestolpert, völlig unerwartet hat sie uns angeleuchtet. Ein Mann hat uns durch die Räume geführt, leider auf französisch und arabisch erklärt, aber soweit wir verstanden haben, gibt es die Synagoge seit 40 Jahren und die Gemeinde hat auch ein paar Mitglieder. Es sind wohl Jüdinnen und Juden aus der Gruppe der Sefarad, der spanischen Juden*Jüdinnen, die aus Spanien ja seit dem Eintreffen der katholischen Könige Anfang des 15.Jahrhunderts vertrieben worden waren. In Spanien gibt es heute noch um die 48000 Menschen jüdischen Glaubens, bei einer Gesamtbevölkerung von ca. 42 Millionen Menschen!

synagoge essaouira

Von Essaouira aus sind wir dann am nächsten Tag mit dem Nachtzug über Marrakesh nach Tangier im Norden gefahren, um da noch eine Nacht und zwei Tage zu verbringen, bevor wir mit der Fähre wieder nach Spanien übersetzen. Nachtzug fahren war spannend und eine günstige Art zu reisen, da man auch tagsüber für die Strecke 14 Stunden gebraucht hätte, war es besser, schlafen zu können und sich so einen Zwischenstop mit Übernachtung zu sparen.

nachtzug

In Tangier, der „Weißen Stadt“, hat es mir dann auch noch mal richtig gut gefallen. Mit 700.000 Einwohner_innen ist sie schon größer, wobei Marrakesh im Vergleich wohl zwischen 3-4Mio. Einwohner_innen hat, aber an sich ist sie offensichtlich wohlhabender, das übliche Nord-/Südphänomen. Oder einfach eine Auswirkung des großen Hafens, der Tangier zum Tor Nordafrikas macht. Jedes Jahr setzen wohl auch ungezählte Flüchtlinge nach Europa über, aber davon habe ich weder am Hafen noch in der Stadt etwas gemerkt. Aber dafür waren wir vielleicht auch einfach zu kurz in der Stadt und haben natürlich wieder nur die Medina gesehen.

tangier

Mit der Fähre sind wir dann nach Algeciras übergesetzt, von wo aus ein Bus bis zur Grenze Spaniens fährt, von wo aus wir nach Gibraltar gelaufen sind. Endlich England! So sind wir an einem einzigen Tag in 3 Ländern gewesen: Marokko, Spanien, England, aber auch in 3 Monarchien. Verrückt! Gleich an der Grenze die erste rote Telefonzelle.

rote tele

Und am nächsten Tag ein weiteres Zeugnis englischem Staatsgebiets, die Queen!

queen

In Gibraltar haben wir wieder bei einem netten Couchsurfer geschlafen, der uns auch an der Grenze abgeholt hat, gemeinsam sind wir dann über die Landebahn des Flughafens in die eigentliche Stadt gelaufen. Da Gibraltar so klein ist, führt die Landebahn des Flughafens, an dem auch die Royal Air Force einen Stützpunkt hat und jeden Tag 3 Flugzeuge landen oder ankommen (Ziele sind London oder Manchester) über die Einfahrtsstraße bzw. die Einfahrtsstraße über die Landebahn. Immer wen ein Flugzeug kommt oder abhebt gehen dann die Schranken, wie bei einem Zugübergang herunter, und kurze Zeit wird die Straße zur Landebahn. Noch in der Nacht hat man auch den eigentlichen Felsen von Gibraltar gesehen, der den eigentlichen militärischen Sinn der Halbinsel ausmacht, nämlich das Meergebiet am südlichsten Punkt Europas zu kontrollieren. In den Weltkriegen hat Gibraltar auch eine wichtige Rolle gespielt und noch heute lassen sich Kriegszeugnisse besichtigen. Noch früher war die Halbinsel wohl ein englisches Gefängnis, jetzt hausen jedenfalls jede Menge Affen auf dem Felsen und bieten Fotomotive für alle Tourist_innen, die mit dem cable car den Fels hoch gefahren sind.

mono

Sonst sind wir beide Abende in englische Pubs trinken gegangen, haben einen Morgen echt englisch (und furchtbar fettig!!) gefrühstückt, die Insel erkundet, mit seinen Bewohner_innen gesprochen, haben Tee getrunken und über so ein kleines England gestaunt. Dass Gibraltar englisch ist, ist den Bewohner_innen auch sehr sehr wichtig, Spanien hingegen hat Gibraltar immer noch nicht als englisches Staatsgebiet anerkannt. Die Halbinsel selbst ist vollständig autark, hat ihr eigenes Telefon- und Internetsystem, eine eigene Stromversorgung, ein eigenes Krankenhaus, eigenen Flughafen, einen großen englischen Supermarkt voller Importprodukte aus dem United Kingdom, eine eigene Steuerpolitik und vieles mehr, besonders auch weil Spanien unter Franco 1969 die Grenzen nach Gibraltar vollständig dicht gemacht hat, alle Telefon- und Stromleitungen gekappt wurden und die diplomatische Zusammenarbeit eingestellt wurde. Erst 1982 hat sich Spanien (dann schon demokratisch) von der Internationalen Gemeinschaft bewegen lassen, die Grenze wieder zu öffnen, Gibraltar bis heute aber nicht anerkannt. Die Einwohner_innen der angrenzenden spanischen Stadt und die Gibraltanes_innen verstehen sich wohl aber blendend, nur die eigentliche Staatspolitik stockt da noch.

Nach 2 Tagen UK sind wir dann aber endlich auch wieder ins schöne Spanien und damit nach Granada zurückgekehrt. Hier verbringe ich jetzt meine letzten Tage, schade, dass ich bald wieder nach Deutschland fliegen muss. Hier zu leben ist mir schon ans Herz gewachsen, sicher aber auch, weil ich vieles einfach mit den Augen einer privilegierten Ausländerin sehe. Na ich nutze die letzten Tage… vielleicht schreibe ich da auch noch mal was, zum Beispiel wie es beim Dragon Festival war oder wie ich das erste Mal bei einem so ausgeschriebenen Botellón war :-)

Nachtrag: Das Botellón war einfach nur widerwärtig, wie Massenbesäufnisse eben sind () und zum Dragon-Festival sind wir ziemlich lang gelaufen, um später vor einer Basswand zum Hardtec zu tanzen und im Morgenlicht den ganzen Absturz der Party zu sehen. Haben uns dann schnell wieder aus dem Staub gemacht, hatten ja eh nicht vor zu übernachten!


1 Antwort auf „Mi último viaje – Barcelona, Marrueco y Gibraltar“


  1. 1 Dragon Festival Sante Fé: Musik, Experimente und gute Stimmung | Spaniens Geheimtipps Pingback am 24. September 2012 um 17:26 Uhr
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